Beeinflussen die Superreichen den Goldpreis?

Die Anzeichen verdichten sich, dass (Ultra) High Net Worth Individuals verstärkt in Gold investieren.
Beeinflussen die Superreichen den Goldpreis?

Wie bei nahezu allen Kapitalanlageprodukten rutschte auch der Goldpreis mit Beginn der Corona-Pandemie 2020 in den Kurskeller. Mitte März verzeichnete er einen Jahrestiefststand von 1.320 Euro für eine Feinunze Gold (31,1034768 Gramm). Doch nicht zum ersten Mal stellte das als Krisenmetall bekannte Gold erneut sein Potenzial unter Beweis und ließ das Barometer wieder ansteigen. Nur gut zwei Monate später überschritt der Kurs die 1.630 Euro-Marke und erreichte damit ein neues historisches Eurohoch. Seither bewegt er sich mit kleinen Ausschlägen auf hohem Niveau. Experten rechnen sogar mit einem weiteren Anstieg bis zum Jahresende.

Verantwortlich für den steigenden Goldpreis ist die vermehrte Anfrage nach physischen Goldanlageprodukten, wie Goldmünzen oder Goldbarren. So verzeichnet der Edelmetallhandel seit April einen regelrechten Run auf Goldprodukte. Teilweise kam es dadurch zu Versorgungsengpässen und erheblichen Lieferverzögerungen (Siehe Artikel). Gekauft wurden insbesondere beliebte Münzen wie Krügerrand, Lunar Serie III, Maple Leaf oder Nugget Känguru sowie Barren zu 50 Gramm oder 100 Gramm. Zu den Käufern zählen neben klassischen Privatanlegern auch institutionelle Kunden. Bei den meisten dürfte die Sorge vor Verlust des verfügbaren Vermögens angesichts der wirtschaftlichen und geldpolitischen Entwicklungen durch die Corona-Krise im Vordergrund stehen.

Hochvermögende Individualpersonen befürchten Verluste

Während drohende Rezessionen und Inflationen nahezu jeden treffen, wirken sich Bankenpleiten insbesondere auf höhervermögende Personen aus, für welche die gesetzlich vorgeschriebene Einlagensicherung von 100.000 Euro je Kunde nicht ausreichen dürfte, um alle Verluste aufzufangen. Gemeint sind in diesem Fall »High Net Worth Individuals« und »Ultra High Net Worth Individuals« – die hochvermögenden und ultrahochvermögenden Privatpersonen. Einer aktuellen Umfrage zufolge, welche die Nachrichtenagentur Reuters im Juni veröffentlichte, empfahlen Finanzberater ihren vermögenden Kunden vermehrt, Teile ihrer liquiden Mittel in Gold zu investieren, um Verluste im Ernstfall ausgleichen zu können.

Das erhöhte Kaufinteresse spiegelt sich ebenfalls an den internationalen Terminmärkten wider. Wurden im April noch rund 30.000 Anträge auf Auslieferung physischer Gold-Futures gestellt, belief sich die Zahl im Juni auf 55.000 Anfragen. Wobei ein einzelner Kontrakt 100 Feinunzen Gold (rund 3.110 Kilogramm) umfasst. Verfügbar sind derzeit Terminkontrakte von mehr als 1.600 Tonnen Gold. Angesichts dieser Daten ist es nachvollziehbar, dass Analysten und Finanzexperten einen weiter steigenden Goldkurs sehen – was Goldbesitzer logischerweise erfreuen dürfte.

 
 

Deutschland auf Platz 1 der Superreichen in Europa

Doch wer sind diese hochvermögenden Personen überhaupt? Gibt es nur eine Handvoll von ihnen, und sind sie auch in Europa zu finden? Unterschieden wird zwischen den »High Net Worth Individuals« (HNWI), die über ein investierbares Kapital von mindestens fünf Million US-Dollar verfügen und den »Ultra High Net Worth Individuals« (UHNWI), bei denen sich das anlagefähige Vermögen auf mehr als 30 Millionen Dollar beläuft. Erfasst werden die Gruppen alljährlich durch repräsentative Umfragen.

Laut aktuellem »Wealth Report 2019« der britischen Knight Frank Group lebten 2018 mehr als 20 Millionen Millionäre weltweit. Davon zählen 200.000 zu den ultrahoch vermögenden Privatpersonen. Gemessen an der Bevölkerungsdichte liegt die Vermutung nahe, dass diese UHNWIs überwiegend in den USA oder Asien beheimatet sind – doch weit gefehlt. Mit über 70.000 Individualpersonen führt der europäische Kontinent die Weltrangliste der Superreichen an. Etwa 14.000 von ihnen leben allein in Deutschland, das auf Platz 1 der Europa-Erfassung liegt. Den zweiten Weltrang bekleidet Nordamerika vor Asien und bereits deutlich abgeschlagen Lateinamerika.

 
 

 

Doch laut dem Capgemini »World Wealth Report 2019« schrumpft seit 2018 das Vermögen der weltweiten Ultra-HNWIs um etwa sechs Prozentpunkte. Etwas geringer betroffen sind dagegen die Mittelklasse-Millionäre (5 bis 30 Mil. US-Dollar) mit knapp drei Zählern. Um diesem Trend effektiv entgegenzuwirken, investieren die Superreichen auf Anraten ihrer Vermögensberater in unterschiedliche Anlageklassen, wie verschiedene Aktienpakete (allein 26 Prozent), Hedgefonds, Fremdwährungen, Derivate, Rohstoffe oder private Beteiligungsgeschäfte.

Darüber hinaus zählt Bargeld mit rund 28 Prozent zu den wichtigsten Anlageformen. Nun kommt verstärkt das gelbe Edelmetall dazu, in Form von Goldmünzen und Goldbarren. Experten raten ihrer hochvermögenden Kundschaft aktuell dazu, zwischen fünf und zehn Prozent des investierbaren Kapitals in Gold anzulegen. Die nächsten Monate werden also zeigen, ob und welche Auswirkungen ihre Zukäufe auf den Goldpreis haben werden, den Anleger daher gut im Auge behalten sollten.

  • Hier können Sie den aktuellen Goldkurs verfolgen und sich die Entwicklung des Gold-Spotpreises über verschiedene Zeiträume hinweg anzeigen lassen.

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Fazit: Das Krisenmetall Gold empfiehlt sich nicht nur für Superreiche

Physisches Gold hat sich in Krisenzeiten immer schon als wertstabile Anlageform bewährt. So zeichnet es sich auch während der aktuellen Corona-Pandemie ab, die eine weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise ausgelöst hat. Denn der Goldpreis erreichte im Mai ein neues Allzeithoch im Eurobereich. Grund genug für Investoren, den Goldbesitz zu halten und flüssiges Anlagevermögen weiter zu vergolden – mindestens auf 10 Prozent, wie es Experten nicht nur den Hochvermögenden, sondern auch klassischen Privatanlegern empfehlen.

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