US-Streit um Grönland treibt den Silberpreis in die Höhe
Befand sich Silber 2025 überwiegend in einer Seitwärtsbewegung bei rund 30 Euro, legte das beliebte Edelmetall zum Jahresende noch kräftig zu. Auch das neue Jahr zeigt einen enormen Aufwärtstrend beim Silberpreis. Die Hauptursache liegt laut Analysten in der mehr als unsicheren geopolitischen Situation, die aktuell vom US-Streit um die dänische Insel Grönland bestimmt wird. Da die Europäische Union (EU) die Pläne von Donald Trump nicht unterstützt, drohte der US-Präsident mit Strafzöllen, die sich insbesondere gegen Deutschland richten. Daraufhin erwog die EU Gegenmaßnahmen in Milliardenhöhe. Zwischenzeitlich konnten sich die Großmächte auf ein neues Abkommen einigen. Das alles wirkt sich als direkter Preistreiber auf risikoarme Anlageprodukte wie Edelmetalle aus.
Während der Silberpreis das Jahr 2025 mit einem Wert von rund 64 Euro für eine Feinunze (31,103 Gramm) abschloss, kletterte der Wert in den ersten Wochen des neuen Jahres bereits auf über 80 Euro – was Silberinvestoren jubeln lässt. Auch in US-Dollar erreichte Silber mit über 94 USD neue Rekordhöhen und schickt sich an, die wichtige Marke von 100 Dollar zu überwinden. Ob dieser hohe Wert gehalten werden kann, liegt insbesondere an der weiteren Entwicklung im bestehenden Grönland-Konflikt.
Begehrtes Grönland
Donald Trump hält die Arktisinsel Grönland für strategisch wichtig und möchte sie unter US-amerikanische Kontrolle stellen. Seit mehr als 600 Jahren gehört die größte Insel der Welt zu Dänemark. Sie liegt zwischen dem Nordatlantik und dem Nordpolmeer und damit exakt zwischen Russland und den USA. Geografisch zählt sie zu Nordamerika. Grönland hat jedoch den Status eines autonomen Territoriums Dänemarks und steht laut Aussage der dänischen Regierung nicht zum Verkauf.
Der größte Teil Grönlands ist von Eis bedeckt, die Bevölkerungsdichte ist eher gering. Dennoch zeichnet sich die Insel unter anderem durch ihre reichen Vorkommen an Bodenschätzen aus, wie etwa Seltene Erden, Erdgas, Erdöl, Uran sowie Edelmetalle und Diamanten.
Das Interesse der USA an Grönland ist nicht neu. Bereits während des Kalten Krieges (1947 bis 1991) bot der damalige US-Präsident Harry Truman (Regierungszeit 1945 bis 1953) 100 Millionen US-Dollar in Gold für die Insel. Aktuellen Schätzungen zufolge könnte der Kauf von Grönland die USA jetzt bis zu 700 Milliarden Dollar kosten.
Donald Trumps Argumentation bezieht sich darauf, dass Grönland den Schutz einer starken Weltmacht benötigt. Denn auch China oder Russland könnten die Insel für sich beanspruchen.
Trump drohte der EU mit neuen Strafzöllen
Die Regierungen der Europäischen Union hatten klar Stellung gegen die Übernahmepläne von Grönland durch die USA bezogen. Das wiederum hat eine erneute Androhung von zusätzlichen Zöllen hervorgerufen. So wollte US-Präsident Trump gegen Deutschland und sieben weitere europäische NATO-Partner Strafzölle in Höhe von 10 Prozent auf Waren erheben, die in die USA eingeführt werden. Diese Abgaben sollten bereits ab dem 1. Februar 2026 gelten und zum 1. Juni 2026 auf 25 Prozentpunkte angehoben werden.
Die EU hatte jedoch bereits ein Konterpaket in Milliardenhöhe in der Schublade, das kurzfristig als Gegenmaßnahmen eingesetzt werden könnte. Zwischenzeitlich hat sich Trump mit den übrigen NATO-Staaten geeinigt und sieht zunächst vom Kauf der Insel ab. Das neue Grönland-Abkommen beinhaltet einen verstärkten Einsatz aller NATO-Mitglieder und weitere US-Stützpunkte auf der Eisinsel.
Silber auf einem Höhenflug
Die aktuellen Zwischenfälle treiben den Silberpreis in ungeahnte Höhen. Zentralbanken und private Anleger greifen verstärkt nach dem Edelmetall, um ihr Vermögen abzusichern. Durch die verschiedenen Krisenherde in der Ukraine, Gaza oder Myanmar hat sich bereits der Goldpreis in astronomische Höhen entwickelt. Allein 2025 kletterte der Wert für eine Feinunze Gold um rund 65 Prozent. Einen derartigen Anstieg hatte es zuletzt 1979 aufgrund der weltweiten Ölkrise gegeben.
Jetzt zieht Silber eindrucksvoll nach und konnte seinen Wert in den ersten Wochen des Jahres 2026 bereits um mehr als 30 Prozent steigern. Allein im Januar gab es alle paar Tage ein neues Allzeithoch. Dies betrifft sowohl die Erstnotierung des Silberpreises in US-Dollar sowie andere Landeswährungen wie Euro, Schweizer Franken oder Britische Pfund.
Laut Analysten sei der hohe Preisanstieg von Silber nicht allein der Tatsache geschuldet, dass es sich bei dem Weißmetall um ein beliebtes Anlageprodukt handelt. Anders als Gold ist Silber auch ein begehrtes Industriemetall, das in zahlreichen zukunftsorientierten Branchen zur Anwendung kommt. Gleichzeitig gilt Silber derzeit als knappes Gut, das eine explodierende Nachfrage von Seiten der Investoren und der Industrie kaum abdecken kann. Begünstigt wird die allgemeine Aufwärtsstimmung bei Silber zudem durch weitere Wertverluste beim US-Dollar.
Silberpreis Chart - Silber-Spotkurs
Wählen Sie den gewünschten Zeitraum aus:
Auch Platin und Palladium mit neuen Bestwerten
Doch auch Platin und Palladium erleben dank der geopolitischen Lage einen neuen Aufschwung. Lange Zeit bewegten sich die beiden Graumetalle in einer Seitwärtslinie unter 1.000 Euro, respektive unter 1.200 Euro für eine Feinunze. Ab Dezember 2025 folgte dann ein neuer Aufwärtstrend. Insbesondere der Plantinpreis konnte erstmals in seiner Geschichte über die Marken von 2.000 Euro und 2.500 US-Dollar klettern. Der Palladiumpreis kommt hingegen noch nicht wieder an seine Allzeithochs von 2.900 Euro und 3.100 USD aus 2022 heran.
Fazit: Grönland als Zünglein an der Waage für den Silberpreis?
Immer wieder lässt sich beobachten, dass Edelmetalle in Krisenzeiten sehr stark nachgefragt werden. Sie sind weiterhin der Rettungsanker in stürmischen Gefilden. Insbesondere in den 2020er-Jahren scheint die Welt mit ihren zahlreichen Konfliktherden wie Corona, Kriegen, Klimakatastrophen und Handelsstreitigkeiten nicht mehr zur Ruhe zu kommen. Bereits der Goldpreis wurde nachhaltig von diversen Zwischenfällen beeinflusst und in exorbitante Höhen katapultiert Nun folgen auch noch die Weißmetalle, allen voran Silber, dessen Wert noch nie so hoch war wie in diesen Tagen. Wer hätte gedacht, dass der Streit um eine Insel solche Auswirkungen hat?
Anzeige



