WGC und LBMA starten neue HQLA-Webseite für Gold

Gold ist ein weltweit gehandeltes und gefragtes Gut bei Zentralbanken sowie institutionellen und privaten Anlegern. Doch wie zahlungsfähig ist das Edelmetall und kann es als hochliquider Vermögenswert eingestuft werden? Dafür setzen sich WGC und LMBA ein.
WGC und LBMA starten neue HQLA-Webseite für Gold

Der World Gold Council (WGC) und die London Bullion Market Association (LBMA) haben eine gemeinsame Webseite zur Neuklassifizierung von Gold als hochliquides Anlageinstrument entwickelt. Sie soll regulatorische Hintergründe, Marktdaten und klare Erläuterungen geben, um Investoren, politischen Entscheidungsträgern und Marktteilnehmern ein besseres Verständnis von Gold im heutigen Finanzsystem zu vermitteln. Die neue Webseite ist unter der Adresse HQLA.gold zu erreichen. Das Kürzel steht für High Quality Liquid Assets (Hochliquide Vermögenswerte).

Doch was sind HQLAs eigentlich und welchen Stellenwert besitzen sie? Hochliquide Vermögenswerte bilden heutzutage den Kern der weltweiten Bankenregulierung. Sie sollen sicherstellen, dass Finanzinstitute schwierige Phasen von Marktstörungen überstehen können. Traditionell wurde diese Kategorie von Bargeld und Staatsanleihen dominiert. Doch die zunehmende Markttransparenz sowie neue Daten ermöglichen nun eine erweiterte Betrachtung der Liquiditätseigenschaften von Gold.

Auf Grundlage der Basel-III-Kriterien (siehe Folgeabsatz), solider Marktdaten und aktueller Wissenschaftsanalysen wurde HQLA.gold von der Europäischen Zentralbank (EZB) als wichtige Quelle eingestuft, um zu prüfen, ob Gold den definierten Merkmalen von HQLAs entspricht. Zu den Eigenschaften zählen etwa ein geringes Risiko, einfache Bewertung, Markttiefe, Widerstandsfähigkeit unter Stress oder die Rolle von Gold als “Sicherer Hafen”.

Bei Basel III handelt es sich um einen internationalen Regulierungsrahmen, welcher die Stabilität des Bankensystems durch strenge Anforderungen an Eigenkapital, Liquidität und Verschuldung erhöht. So beinhalten die Kriterien eine Kernkapitalquote von mindestens 7 Prozent, die Einführung einer Verschuldungsquote von mindestens 3 Prozent sowie enge Liquiditätsvorschriften.

Die Definition von HQLAs im Detail und in Bezug auf Gold

Hochwertige liquide Aktiva (HQLAs) sind unbelastete Vermögenswerte, die von Banken gehalten werden, damit sie in Zeiten finanzieller Anspannung schnell und unkompliziert – sowie mit geringem oder keinem Wertverlust – in Barmittel umgewandelt werden können. Sie sollen auch unter schwierigen oder schwankenden Marktbedingungen verlässliche Liquiditätsquellen darstellen.

HQLAs sollen ein geringes Risiko besitzen. Das betrifft Kriterien wie Kreditrisiko, Nachrangigkeit, Laufzeit, rechtliche Aspekte, Inflation oder Währungsschwankungen. Gleichzeitig sollen die Vermögenswerte eine einfache und sichere Bewertung ermöglichen, zum Beispiel durch einen leicht verfügbaren Marktpreis. Darüber hinaus ist eine geringe Korrelation mit risikoreichen Vermögenswerten gewünscht. HQLAs zeichnen sich weiterhin durch eine weltweit börsennotierte Präsenz sowie einer Transparenz im OTC-Markt (Over-the-Counter, außerbörslicher Handel) aus. Erstrebenswert ist zudem eine möglichst niedrige Volatilität respektive ein stabileres Kursverhalten in Stressphasen. Sie sind bevorzugt in systemischen Krisenzeiten und liegen im Fokus von Großbanken, Zentralbanken und Unternehmen.

Bei der Ausarbeitung neuer Vorschriften wurde Gold 2013 vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) als HQLA aufgenommen, später jedoch wieder gestrichen, da das Gremium der Ansicht war, dass Gold zwei der Merkmale nicht erfüllte. Seit 2018 ist es jedoch möglich, die Liquiditätseigenschaften von Gold anhand neuer, täglich von der London Bullion Market Association (LBMA) veröffentlichter Handelsdaten zu bewerten. Dazu lieferten WGC und LMBA die notwendigen Beweise, dass Gold alle marktbasierten Kriterien für hochwertige liquide Assets erfüllt, wie sie vom BCBS definiert wurden.

Laut Aufsichtsbehörden und Gesetzgeber erfüllt Gold die Kriterien für eine Neuklassifizierung als HQLA. Das vollständige Einstufungsverfahren läuft derzeit noch. Jedoch wird physisches Gold bereits seit Juli 2025 als Tier-1-Vermögenswert (Level 1) anerkannt. Dadurch ist das Edelmetall in Bezug auf Liquidität und Risikobewertung mit Bargeld und Staatsanleihen gleichgestellt. Banken können physisches Gold nun zu 100 Prozent seines Marktwerts als Kernkapitalreserve anrechnen.

Gold als Vermögenswert

Gemaß HQLA.gold wurde Gold 2025 an den globalen Finanzmärkten in einem Wert von 361 Milliarden US-Dollar pro Tag gehandelt. Dieses Handelsvolumen ist vergleichbar mit dem von US-Staatsanleihen über einen Zeitraum von zehn Jahren hinweg. Zugleich verzeichnet Gold eine niedrige durchschnittliche Volatilität. Ebenso bleibt das Risiko gering, Es gibt keinen Emittenten (Herausgeber), der zahlungsunfähig werden kann. Zudem ist Gold nicht inflationsgefährdet.

Gold wird vielfältig als Portfolio-Diversifikator eingesetzt. Das Edelmetall verfügt über eine multiplexere und geografisch breiter gestreute Gruppe von Vermögensinhabern als andere HQLAs. Dies sorgt für eine hohe Stabilität beim Asset Gold. Nicht zuletzt schneidet Gold insbesondere in Krisenzeiten regelmäßig besser ab als viele andere Anlageklassen. Die Experten von WGC und LBMA sind der Ansicht, dass die Beimischung von Gold zu einem Portfolio aus hochwertigen Anleihen dessen Widerstandsfähigkeit erhöht.

Über den World Gold Council

Der World Gold Council (WGC) ist eine Mitgliederorganisation, die sich für die Rolle von Gold als strategisches Gut einsetzt. Die Organisation wurde 1987 von internationalen Bergbauunternehmen gegründet und hat es sich zum Ziel gesetzt, das Verständnis, den Zugang und das Vertrauen in Gold zu stärken. Sie verfolgt die Vision einer nachhaltigen Goldminenindustrie, die auf einem tiefen Verständnis von Gold in der Gesellschaft basiert. Der WGC stellt Informationen und Instrumente für institutionelle und private Anleger bereit, die dabei helfen, Gold als strategischen Vermögenswert unter verschiedenen wirtschaftlichen und geopolitischen Bedingungen zu nutzen.

Über die LBMA

Die London Bullion Market Association (LBMA) ist die unabhängige Edelmetallbehörde mit 194 Mitgliederunternehmen in 27 Ländern weltweit. Sie wurde 1987 in London auf Initiative der Bank of England (BoE) gegründet. Sie sollte den internationalen außerbörslichen Edelmetallhandel (OTC) regulieren und Standards setzen. Ziel der LBMA ist die Weiterentwicklung dieser Standards und die Schaffung von Marktlösungen in der globalen Edelmetallindustrie. Ein Höchstmaß an Führung, Integrität und Transparenz sind Bestandteile dieser Vision.

Fazit: Die Bedeutung von HQLA bei Gold für Anleger

Die neue Webseite HQLA.gold liefert nicht nur Banken die Argumente, um in Gold zu investieren und das Edelmetall zu speichern. Ebenso können Privatanleger die Informationen für ihr Goldinvestment nutzen. Das gemeinsame Projekt von World Gold Council und London Bullion Market Association begründet, warum es sich bei Gold um einen hochliquiden Vermögenswert handelt. Das Edelmetall ist zudem in der Lage, das Vermögen langfristig aufzubauen und eine bestmögliche Diversifizierung im Anlageportfolio zu erreichen.

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