Sind colorierte Münzen mehr als nur Sammlerstücke?

Colorierte Gold- und Silbermünzen wie Ghana-Alien, Chibi Coins, The Simpsons oder Dreaming Down Unter erfreuen sich unter Sammlern großer Beliebtheit. Doch wie werden Farbmünzen eigentlich hergestellt und sind sie auch für Anleger interessant?
Sind colorierte Münzen mehr als nur Sammlerstücke?

Die Schweiz brachte 1992 die weltweit ersten Farbmünzen auf den Markt. Während die Fachwelt die bunten Applikationen eher zurückhaltend und ablehnend betrachtete, zeigten sich Sammler interessiert. Kein Wunder, denn durch die Spezialeffekte erhielt das ansonsten limitierte Gestaltungsspektrum der Münzmotive neue optische Reize. Inzwischen ist das Angebot an colorierten Münzen groß, es erscheinen ganze Serien. Ebenso sind die Herstellungsverfahren im Laufe der Zeit verbessert worden und können sich sehen lassen. Um die Farbe auf die Münzen zu bekommen, werden unterschiedliche Prozesse angewendet. Überwiegend erscheinen die farbigen Sammlerstücke als Silbermünzen und eher seltener aus Gold.

Erhabene Farbdrucke erst ab 2010

Bei den ersten Farbmünzen bestand die Applikation noch aus einer eher simplen und weniger attraktiven Folienbeschichtung. Daher war das Münzrelief entsprechend flach gehalten und hob sich kaum vom der Ronde ab. Auch bei den wenig später entwickelten ersten Druckverfahren blieb das Münzdesign eben. Erst ab 2010 konnten die Drucktechniken so weit verfeinert werden, dass auch Reliefmünzen einen Farbauftrag erhalten und echte dreidimensionale Effekte entstehen konnten.

Heutzutage werden Farbeffekte auf Sammlermünzen häufig genutzt, um das Hauptmotiv oder Bereiche des Motivs hervorzuheben. Die Coloration beschränkt sich meist auf die Rückseite, der Avers als offizielle Seite einer Münze erscheint dagegen ohne Farbapplikation, wie bei der hier zu sehenden 20-Euro-Gedenkmünze »50 Jahre Sendung mit der Maus« der Münze Deutschland:

Künstler: WDR mediagroup GmbH/Staatliche Münze Berlin (Bildseite), Andre Witting, Berlin (Wertseite), © Maus: I. Schmitt-Menzel, WDR mediagroup GmbH

Wie kommt die Farbe auf die Münzen?

Jedes Prägeunternehmen hat seine eignen Verfahren, um die Farbe auf die Münzen zu bringen. In der Regel geschieht dies in mehreren Arbeitsschritten. Zunächst wird die Münze ganz normal geprägt. Im nächsten Schritt kommt der Farbdruck dazu, entweder in einem Durchgang oder in separaten Ebenen je Farbe. Dabei stellt die erste Schicht eine Art Grundierung in Weiß dar, wodurch die Farbebenen besonders intensiv erscheinen.

Die australische Prägestätte Perth Mint scannt die fertig geprägte Münzoberfläche mithilfe einer 3D-Kamera aus der Vogelperspektive ein. Anschließend wird das Bild an einen speziellen UV-Drucker mit LED-Technologie gesendet, der den zweischichtigen Farbauftrag direkt auf die Münze bringt. Zum Schluss darf die Oberfläche einige Stunden trocknen. Nach der visuellen Begutachtung wird die kolorierte Münze sofort verpackt und ist handelsfertig.

Tatsächlich war die Münze Deutschland das erste Prägeunternehmen, das hierzulande bedruckte Farbmünzen mit Nennwert herstellte. Dabei handelte es sich um die 20-Euro-Silbermünze »100 Jahre Weimarer Reichsverfassung« aus 2019. In ihrem Zentrum zeigt die Münzrückseite ein kreisrundes Emblem in den Farben der Deutschlandflagge. Knapp ein Jahr später erschien mit der 20-Euro Sammlerausgabe »100. Geburtstag Freiherr von Münchhausen« die nächste colorierte Silbermünze der bundesdeutschen Prägestätte:

Münzen mit Polymerring und Niob-Metallveredelung

Die bedruckten Sammlerstücke sind allerdings nicht die ersten Farbmünzen der Münze Deutschland. Seit 2016 bringt das Bundesverwaltungsamt Euro-Silbermünzen mit einem lichtdurchlässigen Polymerring heraus. Dieser ist im Gegensatz zum Farbdruck auf beiden Münzseiten zu sehen.

© Münze Deutschland: Silbermünzen mit Polymerring »Auf dem Wasser« Künstler: Daniel Engelberg (Bildseite), Andres Witting (Wertseite) »Polare Zone« Künstlerinnen: Natalie Tekampe (Bildseite), Stefanie Radtke (Wertseite)

Auch die Münze Österreich gibt seit einigen Jahren farblich bedruckte Münzen heraus. Darüber hinaus entstehen seit 2003 bunte Applikationen durch anodisches Oxidieren. Dafür verwendet die Prägestätte das Münzmetall Niob, das transparent leuchtende Farben ganz ohne Farbauftrag hervorbringt und ebenfalls beidseitig erscheint. Die Niob-Silbermünzen sind aufgrund der Farben und Themen unter Sammlern sehr beliebt.

© Münze Österreich: Die Silber-Niob-Münzen erhalten ihre leuchtende Farbe durch Metallveredelung

Besonderheit vergoldete Münzen

Auf den ersten Blick wirken die farbigen Applikationen dieser Münzen ebenfalls wie aufgedruckt. Doch bei vergoldeten Silbermünzen handelt es sich um ein spezielles Veredelungsverfahren, bei dem keine Farbe, sondern Echtgold zum Einsatz kommt. Je nach Legierung kann die Goldauflage klassisch in gelb schimmern oder in elegantem Rosa. Die Echtgoldauflage umfasst meist zwischen 20 und 24 Karat. Entsprechend hoch sind Sammler- und Metallwert.

© Perth Mint: Vergoldete Silbermünzen: Australian Kangagroo 2019 mit Gelbgold und Australian Koala 2021 Hochreliefmünze zu 5 oz mit Motiv und Rand aus Roségold.

Zur Wertsteigerung sind nur offizielle Prägungen geeignet

In der Regel werden farbige Münzen für den Sammlermarkt in eher geringen Auflagen hergestellt. Daher sind sie allgemein für Anleger nicht so interessant. Doch es gibt auch Ausnahmen, wie die Farbmünzen aus der Lunar Serie oder die hier vorgestellten vergoldeten Silbermünzen.

Von privaten Verkäufern werden zuweilen ebenfalls Farbmünzen angeboten, die nicht im Fachhandel erhältlich sind. Denn wenn klassische Investmentmünzen wie Krügerrand oder Wiener Philharmoniker mit farbigen Applikationen auftauchen, handelt es sich nicht um offizielle Ausgaben der Landeszentralbanken, sondern um Nachbearbeitungen. Bei einem späteren Verkauf lassen sich damit über den reinen Metallwert hinaus keine Gewinne erzielen, geschweige denn der ursprüngliche Kaufpreis zugrunde legen. Vielfach findet sogar eine Entwertung statt, da es sich genau genommen um eine Veränderung des Münzdesigns handelt.

Anleger und Sammler sollten daher nur offiziell geprägte Farbmünzen im stationären oder Online-Fachhandel erwerben. Diese lassen sich am Echtheitszertifikat erkennen oder anhand der Beschreibung auf den Webseiten der Hersteller.

Fazit: Farbmünzen sind in erster Linie eine Bereicherung für den Sammlermarkt!

Der Grund, warum Prägestätten colorierte Münzen herausbringen, liegt klar auf der Hand: Es sollen zusätzliche Zielgruppen und eine andere Art von Sammlern gewonnen werden. Da die Farbmünzen häufig beliebte Themen aus den Tier-, Comic-, Fantasy-, Musik-, Nostalgie- und Filmwelten aufgreifen, sprechen sie nicht nur Numismatiker an, sondern auch ganz allgemein die Fans dieser Genres. Und einige der bunten Edelmetalle eignen sich sogar als Anlageprodukte.

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