Wissen: So entstehen Prägestempel für Edelmetallmünzen
Im Gegensatz zu den meisten Edelmetallbarren zeichnen sich Münzen zum Anlegen oder Sammeln durch ihre attraktiven Prägungen aus. Heutzutage weisen Vorder- und Rückseite aufwendige Münzbilder auf, die zum Wert der Edelmetalle beitragen. Doch wie kommen die schönen Motive eigentlich auf die Rohlinge und welchen Einfluss hat die Vorgehensweise auf die Prägequalität? Diesen und weiteren Fragen gehen wir in unserem heutigen Wissensbeitrag über die Entstehung von Prägestempeln für Münzen nach.
So lange Münzen aus Gold und Silber als Zahlungsmittel eingesetzt werden, haben Menschen ihre Oberflächen verziert. Die ersten Münzen entstanden etwa um 600 vor Christus im Königreich Lydien, der heutigen Westtürkei. Sie trugen offizielle Stempel, welche ihre Echtheit belegen sollten. Dabei wurden die Gold- und Silberrohlinge per Hand mithilfe von Hammer und Amboss beschlagen. Erst ab dem 16. Jahrhundert wurde die Prägung durch mechanische Walz- und Spindelpressen entscheidend verbessert. Heute können moderne Prägemaschinen bis zu 20.000 Münzen in der Minute produzieren. Das trifft in erster Linie auf die klassischen Umlaufmünzen zu. Bei Anlage- und Sammlermünzen liegt der Fokus eher auf Qualität denn auf Quantität. Doch ohne die zuvor aufwendig hergestellten Prägestempel wären die Maschinen nicht in der Lage, Edelmetallmünzen in beeindruckender Optik zu fertigen.
Es beginnt mit dem Motiv
Bevor es zur eigentlichen Münzproduktion kommt, muss zunächst einmal das Motiv erstellt werden. Das ist die Arbeit der Münzdesigner, welche die Abbildungen von Hand kreieren. Den Gestaltern fällt dabei eine wichtige Aufgabe zu, denn sie müssen Motive entwerfen, die später auf der verhältnismäßig kleinen Münze zur Geltung kommen können. Schließlich hat eine klassische Münze in der beliebten Stückelung zu einer Unze je nach Edelmetall gerade einmal einen Durchmesser von 30 bis 40 Millimetern.
Entstanden die Vorlagen früher noch ausschließlich auf dem Zeichenpapier, nutzen die Künstler von heute überwiegend Computer als Zeichengeräte. Dennoch werden auch die digitalen Zeichenstifte unverändert von Hand geführt. Der Vorteil bei der Zeichnung am Computer besteht darin, dass die Motive später nicht mehr umständlich eingescannt werden müssen, um sie zu digitalisieren. Dadurch kann es nicht mehr zu Abweichungen von der Papierzeichnung kommen und die Entwürfe können sofort weiterverarbeitet werden.
Das Gipsmodel für den Stempel entsteht
Moderne Computertechnologie kann jedoch noch viel mehr. So entsteht am “Rechner” nicht nur der Entwurf, sondern auch eine dreidimensionale inverse Form, die später dafür sorgt, dass die Motive nicht flach, sondern erhaben auf der Münzoberfläche erscheinen. Das plastische Gipsmodell wird gedruckt und dient dann als Vorlage für den Prägestempel. In einem aufwendigen und mehrstufigen Scannprozess wird die 3D-Form erneut digitalisiert. Dabei tragen die Werkzeugentwickler Sorge, dass die Form mathematisch und geometrisch korrekt aufgebaut ist. Es geht darum, Formen zu kreieren, welche auf Edelmetall geprägt werden können. Dazu müssen Linien, Vertiefungen und erhabene Flächen perfekt aufeinander abgestimmt sein, sodass sich ein einheitliches Münzbild ergibt.
Entspricht die digitale Vorlage den Vorgaben der Entwickler, kann der erste Probestempel erstellt werden. Damit das Münzmotiv korrekt dargestellt werden kann, ist der Stempel spiegelverkehrt als Negativ aufgebaut. Das eigentliche Prägewerkzeug wird über computergestützte Fräsmaschinen (CNC-Fräsen) oder über Laser direkt aus dem Material geschnitten. Es besteht aus hochwertigem Werkzeugstahl. Dieser wird durch starkes Erhitzen und anschließendes Abschrecken (schnelles Erkalten) maximal gehärtet. Das ist erforderlich, damit die Stempel den extremen Drücken von bis zu 200 Tonnen beim Pressvorgang standhalten können, ohne dass sich Details verformen. Für ein vollständiges Münzdesign werden zwei Stempel für die Bild- und Wertseite benötigt.
Abschließend werden die Probestempel durch exaktes Schleifen und Polieren veredelt. Dieser Prozess kommt insbesondere dann zum Einsatz, wenn eine Münze von besonders hoher Prägequalität entstehen soll. Mit diesen Werkzeugen wird dann eine Erstprägung durchgeführt. Anhand dieser Probeprägung entscheiden Münzdesigner, Werkzeugentwickler und das Marketing gemeinsam, ob das Resultat den hohen Anforderungen der Prägestätte genügt oder ob die Stempel weiter optimiert werden müssen. Die Münze wird dabei im Detail unter der Lupe begutachtet.
Die Stempelaufbereitung zur Qualitätsoptimierung
Die Werkzeugexperten arbeiten eng mit den Künstlern zusammen, welche die Motive erschaffen. Dazu erstellen die Gestalter Entwürfe, die das spätere Werk aus unterschiedlichen Perspektiven zeigt. So lassen sich die verschiedenen Schattierungen besser erkennen. Anhand der Skizzen ergeben sich zudem die Bereiche des Motivs, die später matt oder glänzend erscheinen sollen. Je nachdem, welche Effekte erzielt werden sollen, werden die Stempel aufbereitet. Das geschieht durch eine Nachbearbeitung der Werkzeuge, die überwiegend aus speziellen Poliertechniken besteht. Dazu nutzen die Spezialisten verschiedene Polierpasten, wie zum Beispiel eine Diamantpaste, die mithilfe von feinsten Holzwerkzeugen oder Polierstäbchen aufgetragen und eingesetzt werden. Oft sind es nur Nuancen, die genauer herausgearbeitet werden.
Um präzise arbeiten zu können, setzen die Graveure hochauflösende Mikroskope ein. Dadurch sind sie in Lage, selbst kleinste Kratzer oder Rückstände vom Stempel zu entfernen, die Spuren bei der Prägung hinterlassen können.
Prägestempel sind oft nur kurz im Einsatz
Je nach Anforderung an das spätere Münzbild werden die Prägestempel nur kurzzeitig eingesetzt. Danach werden sie entweder ersetzt oder erneut aufbereitet. Dabei ist die Standzeit abhängig von Edelmetall, Motiv, Auflage und der vorgesehenen Prägequalität. Unterschieden wird dabei im Wesentlichen zwischen den drei Prägequalitäten Stempelglanz, Polierte Platte und Spiegelglanz. Darüber hinaus haben viele Prägestätten noch eigene Qualitäten entwickelt, wie zum Beispiel “handgehoben” oder “vorzüglich”.
Anlagemünzen werden meist in größerer Stückzahl produziert. Hier kommt überwiegend die Qualität Stempelglanz zur Anwendung, die ein gleichbleibend hochwertiges Münzbild ergibt. Polierte Platte bezeichnet die Ronden, die vor der Prägung einem speziellen Polierverfahren unterzogen werden. Dadurch erscheinen die Oberflächen hochglänzend. Verstärken lässt sich dieser Effekt noch durch aufwendig polierte Prägestempel, wodurch die Qualität Spiegelglanz entsteht. Diese beiden Stufen kommen meist nur bei limitierten Sammlermünzen zum Einsatz.
Fazit: Prägestempel als Aushängeschild der Münzproduktion
Die Herstellung von Prägestempeln für Münzen ist ein aufwendiger Prozess und gehört neben der Kreation des Motivs zu den großen Herausforderungen in der Münzproduktion. Die Prägewerkzeuge entscheiden über die Ausführung des Designs auf der Münze und bestimmen die Prägequalität. Für die Münzprägestätten gehört die meist eigene Abteilung des Werkzeugbaus daher zu den Gütezeichen des Unternehmens.
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