Florierender Goldhandel in Deutschland

Edelmetalle werden in Deutschland stark nachgefragt. Tatsächlich halten Privatanleger rund 9.000 Tonnen Gold. Das ist dreimal mehr, als die Bundesbank und große Landeszentralbanken lagern. Viel Gold wird dabei über den Großhändler BayernLB gekauft.
Florierender Goldhandel in Deutschland

Seit der Corona-Krise ist die Nachfrage nach Gold und anderen Edelmetallen zur Vermögenssicherung in Deutschland besonders hoch. Ein großer Teil der in Deutschland verfügbaren Anlageprodukte lagert bei der Bayerischen Landesbank (BayernLB) in Nürnberg. Dort befindet sich das Kompetenzzentrum für Sorten und Edelmetalle. Von hier aus werden Privatkunden der Sparkassen aller Bundesländer beliefert, aber auch andere Banken, Genossenschaften und viele Händler. Die Spezialbank wickelt jährlich allein knapp die Hälfte des deutschen Edelmetallhandels über insgesamt 185 Tonnen ab. Der Rest verteilt sich auf den stationären- oder Online-Fachhandel sowie auf weitere Großbanken wie der Landesbank Hessen-Thüringen oder der Reisebank Frankfurt/Main.

Über den Vertrieb in Nürnberg kauften deutsche Privatanleger 2022 im Schnitt 2,2 Gramm Gold. Das gesamte Handelsvolumen der BayernLB belief sich im vergangenen Jahr auf 85 Tonnen – ein Zuwachs von rund 12 Prozent gegenüber 2021. Neben Goldanlagen wurden auch Silber-, Platin- und Palladium-Produkte in einem Umfang von 702 Tonnen nachgefragt. Den starken Edelmetallabsatz rechnet der Großhändler neben der Corona-Pandemie ebenfalls geopolitischen Ereignissen wie dem Ukraine-Krieg oder der hohen Inflation zu. "Wichtige Faktoren waren auch die immer breiter werdende Kundenbasis und die hohe Lieferfähigkeit durch unsere langjährigen Direktbezugsquellen bei den größten Barrenproduzenten und Münzprägestätten der Welt“, erklärt Michael Eubel, Abteilungsleiter des Edelmetall-Kompetenzzentrums.

Das deutsche Fort Knox?

Seit 2013 steuert die BayernLB das Edelmetallgeschäft aus dem Kompetenzzentrum in Nürnberg. Infrastruktur und Vertrieb wurden konsequent ausgebaut, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden. Zu etwa zwei Drittel zählen die bundesweiten Sparkassen zu den Kunden. Darüber hinaus werden privatwirtschaftliche Unternehmen, andere Banken und auch deutsche Fachhändler beliefert. Seit mehr als 20 Jahren ist die BayernLB als einzige Landesbank Deutschlands Mitglied der London Bullion Market Association (LBMA) und erfüllt die strengen Auflagen hinsichtlich Produktion und Lieferketten. So garantiert die Bank ihren Kunden Edelmetall-Investments, die den hohen sozialen und ökologischen Ansprüchen der LBMA entsprechen.

Die LBMA zählt zu den wichtigsten außerbörslichen Handelsplätzen für Edelmetalle und ermittelt täglich die Weltmarktpreise für Gold und Weißmetalle. Zudem legt die Organisation die Standards für Good Delivery Barren fest. Nur Hersteller, die Barren dieser Güte auf den Markt bringen, erhalten das LBMA-Zertifikat und werden in der Good Delivery List geführt. So ist es nachvollziehbar, dass die BayernLB ihren Kunden auch nur Edelmetalle von LBMA-zertifizierten Herstellern anbietet.

In den unterirdischen und gut bewachten Tresoren der Bayerischen Landesbank lagern große Mengen an Edelmetallen. Das ist auch erforderlich, denn schließlich müssen Bestellungen zeitnah abgewickelt werden können. Das Handelsblatt wagt in seinem Online-Artikel “Das ist Deutschlands größter Umschlagplatz für Edelmetalle” vom 4. August 2023 gar den Vergleich mit dem US-Army-Stützpunkt Fort Knox in Kentucky, einem der weltgrößten Goldlager. Dort sollen laut US-Mint rund 4.580 Tonnen Gold im Wert von aktuell 280 Milliarden US-Dollar (256 Mrd. Euro) lagern. Doch von solchen Mengen ist die BayernLB weit entfernt. Wie groß der Gold- und Silberschatz in Nürnberg tatsächlich ist, wird aus Sicherheitsgründen jedoch nicht verraten.

Begehrte Barrengrößen und Münzen bei Anlegern

Laut einer Studie von Reisebank und CFin (Research Center for Financial Services, Berlin) aus 2021 besitzen deutsche Anleger mehr als 9.000 Tonnen Gold in Barren und Münzen sowie Schmuck. Das ist fast dreimal so viel, wie die Zentralbank Deutschland in Frankfurt lagert. Gemeinsam mit der Bundesbank halten Privatanleger demnach 6,2 Prozent der weltweiten Goldvorräte. Damit zeichnen sich deutsche Anleger im internationalen Vergleich durch ihre hohe Edelmetallaffinität aus. Die Befragten hatten angegeben, Anlagegold für durchschnittlich 4.250 Euro gekauft zu haben. Über fünf Prozent waren dabei Erstkäufer und rund 42 Hundertstel erwarben klassische Goldbarren. Dagegen setzten etwa 33 Prozent aufgrund der Optik auf Goldmünzen. In den vergangenen beiden Jahren dürfte der Goldschatz weiter angewachsen sein. Denn es gab viele gute Gründe, auf das Krisenmetall zu setzen.

Bei der BayernLB werden insbesondere Goldbarren zu 100 Gramm, Goldbarren zu 250 Gramm und Goldbarren zu 1 Kilogramm nachgefragt. Das Kilostück hat nach aktuellem Goldpreis einen Wert von etwa 56.000 Euro. Doch auch Anlagesilber steht bei den Investoren als Inflations- und Krisenschutz hoch im Kurs. Etwa 735 Tonnen Silber verkaufte das Nürnberger Edelmetallzentrum 2022 an überwiegend private Käufer.

Neben Barren bietet die BayernLB auch gängige Münzen an. Dazu gehören zum Beispiel bekannte Goldsorten wie Krügerrand, Britannia Gold, Maple Leaf, Sovereign oder die historische Goldmünze Vreneli. Bei Silbermünzen sind unter anderem Arche Noah, Cook Islands, Lunar Serie III oder der Klassiker Wiener Philharmoniker im Angebot.

Edelmetalle stehen seit der Finanzkrise 2008 hoch im Kurs

Edelmetalle und insbesondere das wertdichte Gold werden seit dem weltweiten Bankenbeben ab 2008 verstärkt nachgefragt. Verzeichnete die BayernLB zuvor noch ein Auftragsvolumen von etwa 300 Bestellungen pro Tag, wurden daraus mit Beginn der Finanzkrise 5.000 Aufträge. Im gleichen Maß stieg der Goldpreis an. Die Euro- und Griechenlandkrise schlossen sich an. Dann kam ab dem Frühjahr 2020 die Corona-Pandemie und der Run auf physische Edelmetalle setzte vollends ein. Der Gold-Spotpreis kletterte auf 1.700 Euro. Als weitere Treiber gelten der Ukraine-Krieg ab 2022 und die sich anschließende Energiekrise sowie eine anhaltend hohe Inflation. Dagegen bremsten die Leitzinsanhebungen der US-Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank (EZB) den Vormarsch des Goldpreises regelmäßig aus.

Goldpreis Chart - Gold-Spotkurs

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Fazit: Gold und Silber halten sich die Waage in deutschen Portfolios

Die Zahlen der BayernLB und die Rückbetrachtung der Goldpreisentwicklung verdeutlichen, welchen Stellenwert physische Edelmetalle inzwischen unter Anlegern haben. Darüber hinaus zeigen sie auf, dass Silber als Anlageprodukt mehr als nur anerkannt ist und eine echte Alternative zu Goldanlagen darstellt. So liegt die Nachfrage an Silberanlagen um ein Vielfaches höher als beim gelben Edelmetall. Jedoch relativiert sich dies, wenn man berücksichtigt, dass die Wertdichte von Gold etwa 83-mal größer ist. Dies verdeutlicht die Gold-Silber-Ratio.

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