Gold wieder im Bullenbereich und Silber zieht mit

Wer in den letzten Tagen die Kurse von Gold und Silber verfolgt hat, konnte den deutlichen Preisanstieg der Edelmetalle nicht übersehen. Was hat die Trendwende hervorgerufen, ist sie von Dauer und sollten Anleger jetzt investieren?
Gold wieder im Bullenbereich und Silber zieht mit

Worauf Anleger seit Monaten warten, scheint nun endlich einzutreffen: Der Goldpreis hat im November zu einem neuen Höhenflug angesetzt. Den kompletten Sommer über hielt sich der Spotpreis für eine Feinunze (31,103 Gramm) auf einem fast konstanten Niveau von 1.500 bis 1.550 Euro. Am 10. November fiel dann der Startschuss für die neue Bullen-Rally. Seither klettert der Preis für das gelbe Edelmetall kontinuierlich nach oben. In seinem Windschatten folgt Silber, das noch im Oktober mit 18,46 Euro pro Unze für einen neuen Jahrestiefstwert sorgte. Als verantwortlich für den Preisschub beider Anlageprodukte zählt die Bekanntgabe der neuesten Inflationsdaten aus den USA.

Welche Rolle spielt die 6-Prozent-Hürde bei den US-Inflationszahlen?

Dabei ist Amerika nicht das einzige Land aus dem G20-Bündnis, das hohe Inflationsraten zu verzeichnen hat. Spitzenreiter ist mit knapp 20 Prozent die Türkei, gefolgt von Brasilien (10,7 %) und Russland (8,1 %). Fein raus ist Japan, mit einer Rate von nur 0,2 Prozent. Deutschland liegt mit einem Wert von aktuell 4,6 Prozent eher im mittleren Inflationsbereich, ebenso wie die Vereinigten Staaten mit 6,2 Zählen. Dennoch ist die USA neben China (1,5 %) wichtigster Handelsplatz für die internationalen Finanzmärkte. Daher stehen die US-Inflationszahlen im Fokus der weltweiten Betrachtung.

Genau genommen befindet sich die dortige Geldentwertungsrate aber bereits seit Monaten im ständigen Anstieg – ebenso wie in Deutschland und den anderen G20-Staaten. So gesehen stellt das Knacken der Sechs-Prozent-Hürde bestenfalls den Tropfen dar, der das Fass zum Überlaufen bringt, respektive die Investoren zum Kauf von Münzen, Barren oder Goldpapieren. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Anleger inzwischen von einer längeren Phase steigender Verbraucherpreise ausgehen, nachdem Experten noch im Oktober die Ansicht vertraten, dass sich die Teuerung bald wieder umkehrt.

So auch die Präsidentin der Europäischen Zentralbank Christine Lagarde. Nunmehr muss die EZB-Chefin ihre Einschätzung für die Eurozone jedoch korrigieren, wie unter anderem das Nachrichtenmagazin »Der Spiegel« berichtete. Demnach sind hohe Energiepreise und andauernde Lieferprobleme als Haupttreiber zu sehen, sodass die Inflation wohl für längere Zeit auf hohem Niveau verharren dürfte. Zudem verwies Lagarde in ihrer Begründung auf die derzeitige Corona-Lage hin, die überdies für Unsicherheit sorgen würde.

Auch die Goldminenaktien gewinnen

Für Anleger ist die Flucht in Gold und andere Edelmetalle daher die logische Konsequenz. Dies zeigen nicht nur die Anstiege des Goldpreises und des Silberpreises, sondern belegt auch die deutliche Erholung bei den Minenaktien. So gewann Barrick Gold aus Kanada, einer der weltweit größten Goldkonzerne 4,5 Prozent hinzu. Rund fünf Prozent umfasst der Zugewinn der australischen Goldproduzenten Northern Star und Evolution Mining.

Ebenfalls gute Aussichten sieht Newcrest Mining, Australiens führendes Goldunternehmen, das vor der Übernahme von Pretium Resources (Kanada) für etwa drei Milliarden Kanadische Dollar steht. Zwei Prozentpunkte liegt es derzeit im Plus. Generell ist viel Bewegung im Minensektor: Zuvor hatte bereits das nordamerikanische Bergbauunternehmen Agnico Eagle mit Konkurrent Eagle Kirkland Lake Gold fusioniert und ist zu einem Global Player aufgestiegen.

Steigt der Goldpreis auf 2.300 Euro je Unze an?

Um durchschnittlich einen Prozentpunkt legt der Goldpreis derzeit pro Tag zu und befindet sich damit eindeutig im Aufwärtstrend des Bullen (Symbol für ansteigende Aktienkurse im Börsenhandel). Das Jahrestief von 1.415 Euro aus März 2021 ist überwunden und die im Euroraum wichtige Marke von 1.600 Euro geknackt. Bis zum bisherigen Allzeithoch von 1.748,28 Euro oder 2.063,01 US-Dollar aus August 2020 ist gleichwohl noch ein weiter Weg.

Analysten sehen jedoch ein großes Potenzial bei Gold, das gerade erst wieder in Schwung kommt. Mittelfristig könnte das Edelmetall sogar auf über 2.600 US-Dollar (2.295 Euro) für eine Feinunze klettern. Dafür müssten allerdings Großinvestoren wie Hedgefonds ihr Engagement in Gold-ETFs deutlich steigern. Die goldgesicherten Börsen-Fonds waren laut World Gold Council (Interessenverband der Goldminenbetreiber) bereits in der Vergangenheit wichtiger Treiber des Goldmarkts, so auch während der Corona-Pandemie 2020.

Darüber hinaus schlummert ein großes Potential bei den Verbrauchern selbst. Laut Medienberichten der dpa belief sich das private Geldvermögen in Deutschland im Januar 2021 auf 7,1 Billionen Euro. Etwa die Hälfte des Kapitals wird auf Spar- oder Girokonten gehortet, wo es keine Gewinne bringt und sogar durch Negativzinsen bedroht ist. Zudem lassen steigende Inflationsraten und der damit einhergehende Kaufkraftverlust das Vermögen weiter schrumpfen. Dabei gibt es gute Gründe, vorhandene Geldmittel teilweise über Gold oder Silber abzusichern. So empfehlen Finanzexperten, etwa 10 bis 15 Prozent des investierbaren Kapitals in Edelmetalle anzulegen. Insbesondere Gold als »ewige Währung« hat seine Stärke als Krisen- und Inflationsschutz in der Vergangenheit immer wieder unter Beweis gestellt.

Goldpreis Chart - Gold-Spotkurs

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Wie verhält sich Silber?

Auch Silber wird von den Anlegern seit dem 10. November 2021 wieder stärker nachgefragt, sodass ebenfalls beim weißen Edelmetall der Kurs kontinuierlich ansteigt. Wenn auch das Hoch von 32,93 Euro aus 2011 derzeit noch in weiter Ferne liegt, lässt sich anhand des Silberpreis-Charts ein deutlicher Aufwärtstrend erkennen. Im Dollarbereich wurde der wichtige Schwellenwert von 25 US-Dollar bereits überschritten. Anleger sind gespannt, wie die Silberkurs-Entwicklung weitergeht.

Silberpreis Chart - Silber-Spotkurs

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Fazit: Die Rally beginnt, jetzt noch schnell dabei sein!

Endlich! Die Talfahrt von Gold und Silber scheint erst einmal beendet zu sein. Insbesondere Gold hat seinen Ruf als »sicherer Hafen in Krisenzeiten« zurückgewonnen. Nach der ersten Erholung muss sich der Aufwärtstrend nun fortsetzen. Ein Blick in die Statistik zeigt, dass sich der Goldkurs seit seiner Einführung 1971 jährlich um etwa acht Prozent steigern konnte. Setzt das Edelmetall diesen Trend fort, liegt es 2030 bei rund 3.270 Euro. Unentschlossene Anleger sollten vor dem nächsten Höhenflug noch schnell zugreifen und ihr vorhandenes Kapital mit Gold und Silber absichern.

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