Urban-Mining: Gold aus alten Handys gewinnen
Nicht alle, die ein neues Smartphone, Tablet oder Laptop anschaffen, verkaufen oder verschenken die bisher genutzten Geräte, um sie wieder in den Nutzungskreislauf zu bringen. Oft wandern die die Altgeräte ganz einfach in die Schublade, wo sie auf ewig lagern und in Vergessenheit geraten. Dabei steckt in den alten Schätzen noch viel Potenzial, das anderweitig genutzt werden könnte, auch wenn Technik und Optik inzwischen veraltet sind. Tatsächlich können sich in einer Tonne Elektronikschrott bis zu 350 Gramm Gold befinden. Alte Platinen und andere elektronische Bauteile enthalten zudem Silber, Kupfer, Palladium und Seltene Erden – das alles sind wichtige Rohstoffe unserer Zeit, die dringend benötigt werden. Während die Gewinnung von Edelmetallen aus Minen aufwendig und aus Umweltaspekten zunehmend kritisch betrachtet wird, gewinnt “Urban Mining” mehr und mehr an Bedeutung.
Der moderne englische Begriff “Urban Mining” steht für die strategische Rückgewinnung wertvoller Rohstoffe aus alten, nicht mehr eingesetzten Produkten unter Nutzung vorhandener Infrastrukturen. Die Quellen von Gold sind nicht länger die Minen, sondern die Produkte, die massenweise in unseren Städten lagern. Das Recycling alter elektronischer Komponenten ist nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht relevant, es hat auch eine hohe ökologische Bedeutung. Denn die Goldgewinnung aus alten Handys und Co. verursacht wesentlich weniger CO2-Emissionen als der konventionelle Bergbau – bei dem selbst geringe Vorkommen von weniger als fünf Gramm pro Tonne Erz als wirtschaftlich abbauwürdig gelten. Dabei sind die Schäden in der Natur und der Ressourcen-Verbrauch immens.
Ständiger Nachschub aus der Produktion gewährleistet
Betrachtet man allein die Handysparte, so wird deutlich, dass der Nachschub an recyclingfähigen Geräten auch zukünftig gewährleistet ist. Jedes Jahr kommen weltweit mehr als 600 verschiedene Smartphone-Modelle auf den Markt, was durch die Vielfalt an Herstellern und die unterschiedlichen Klassen zustande kommt. Das bedeutet, dass jährlich zwischen 1,5 und 2,1 Milliarden Mobiltelefone rund um den Globus produziert und verkauft werden. Deutsche Verbraucher ersetzen ihre Smartphones nach einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von zweieinhalb bis drei Jahren. Deshalb sind die meisten Mobilfunkverträge auf eine Zeitspanne von 24 Monaten ausgelegt.
Viele Hersteller bieten inzwischen die Rücknahme alter Handys gegen einen geringen Nachlass an. Gut erhaltene Geräte werden dabei wiederaufbereitet und erneut in den Nutzungskreislauf gebracht. Die überwiegende Menge der Altgeräte wandert jedoch direkt ins Recycling und zur Rohstoffauswertung.
Warum enthält unsere Elektronik so viel Gold und andere Edelmetalle?
Gold ist ein hervorragender elektrischer Leiter. Bereits wenige Mikrogramm reichen aus, um Signale zuverlässig und effizient zu übertragen. Es korrodiert nicht und behält seine Leitfähigkeit über Jahrzehnte. Eingesetzt wird es überwiegend bei Leiterplatten, Prozessoren, Chips oder Kontaktflächen sowie für Steckverbindungen und Bonding-Drähten. Dank seiner herausragenden Eigenschaften ist Gold ein unverzichtbarer Rohstoff bei der Produktion von Geräten wie Smartphones, Tablets oder Laptops und überall dort, wo hochpräzise Anforderungen auf kleinstem Raum benötigt werden.
Beim Geräterecycling wird jedoch nicht nur Gold extrahiert. Enthalten sind zudem andere begehrte Edelmetalle wie Palladium, Silber und Kupfer oder Seltene Erden, die gleichzeitig gewonnen werden. Althandys sind also wichtige Rohstofflager, die eine nachhaltige und umweltschonende Neuproduktion ermöglichen.
Vorteile Urban Mining gegenüber Bergbau
Das Urban Mining aus Altgeräten bietet viele Vorteile gegenüber dem klassischen Bergbau. Während die Umweltbelastung beim primären Goldabbau durch erhebliche Landschaftseingriffe, einem hohen Energie- und Wasserverbrauch und dem Einsatz giftiger Chemikalien sehr hoch ist, nutzt das Recycling bereits vorhandene Rohstoffe. Die Rückgewinnung von Edelmetallen aus sekundären Quellen schont Umwelt und Ressourcen durch einen wesentlich geringen Wasser- und Energieverbrauch. Moderne Recyclingbetriebe sind in der Lage, hochkonzentriertes Gold effizient aus der Altelektronik zu trennen. Dabei werden zugleich andere, wertvolle Nebenmetalle zurückgewonnen.
Somit ist Urban Minig nicht nur ein ökologisch nachhaltiger Ansatz. Es ist darüber hinaus in der Lage, die wachsende Nachfrage nach Edelmetallen für elektronische Bauteile sowie weitere zeitgemäße Technologien zu bedienen.
Die Rückgewinnung von Gold aus alten Smartphones
Zwar ist Urban Mining wesentlich nachhaltiger und umweltschonender als die primäre Goldgewinnung, dennoch handelt es sich beim Recycling alter Smartphones und anderer elektronischer Komponenten um aufwendige Prozesse. Dabei werden die Geräte zunächst weitestgehend in ihre Bestandteile zerlegt und entsprechend ihrer Verwertung sortiert. Dieser Schritt erfolgt entweder manuell von Hand oder maschinell. Batterien, Kondensatoren oder andere gefährliche Komponenten werden separat entsorgt. Die so gewonnenen recyclingfähigen Teile werden anschließend zerkleinert. Durch gezielte Lösungsmittel werden die vorhandenen Edelmetalle extrahiert. Hierbei kommen meist umweltfreundliche Chemikalien zum Einsatz, die je nach Anlage sogar mehrfach eingesetzt werden.
Das auf diese Weise gewonnene Gold lässt sich zur Herstellung neuer Produkte verwenden. Es wird in der Schmuckherstellung eingesetzt oder ist die Grundlage für hochwertige Anlageprodukte wie Goldmünzen oder Goldbarren. Ebenso kann es neue Elektronik veredeln. Nicht selten wird das Altgold in einem Raffinationsprozess auf eine Reinheit von mehr als 999 Tausendstel gebracht. Damit ist das recycelte Gold gleichwertig mit neuem Primärgold.
Was ist “Grünes Gold”?
Unter anderem steht der Begriff “Grünes Gold” für nachhaltige physische Investments. Es bezeichnet Gold, das aus ökologisch und ethisch zertifizierter Förderung gewonnen wird. Dabei unterliegt die Gewinnung strengen Umweltauflagen und klar definierten Arbeitsbedingungen. Das Urban Mining spielt dabei eine entscheidende Rolle und nimmt in Zeiten von knapper werdenden Rohstoffen eine zentrale Bedeutung ein. Edelmetall-Recycling reduziert CO2-Emissionen und den Wasserverbrauch gegenüber dem traditionellen Bergbau. Damit schont jede Unze Gold aus recycelten Quellen Umwelt und Ressourcen, sodass die Charakteristik “Grünes Gold” gerechtfertigt ist. Tatsächlich werben renommierte Hersteller mit der Erzeugung von Anlageprodukten aus “Green Gold”.
Fazit: Urban Mining stärkt die Akzeptanz von Gold
Aufgrund der umstrittenen Primärgewinnung von Gold fördert die Rückgewinnung von Edelmetallen aus Elektronikschrott das allgemeine Verständnis. Anleger, die Wert auf “Grünes Gold” legen, finden im Edelmetallfachhandel passende Produkte. Zwar kann Urban Mining die klassische Goldgewinnung nicht vollständig ersetzen, doch es trägt ganz klar zur nachhaltigen Weiterentwicklung des Goldes bei.
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