Gold und Silber massiv unter Druck – Jetzt kaufen?

Seit dem massiven Absturz des Spotpreises Anfang April 2020 erholte sich der Goldkurs zusehends und setzte im August zu einem neuen Höhenflug an.
Gold und Silber massiv unter Druck – Jetzt kaufen?

Lange Zeit bewegte sich der Kurs auf hohem Niveau, doch seit November verliert Gold mehr und mehr an Wert. Fast identisch dazu verhält sich der Silberchart. Doch was ist der Grund dafür? Und ist jetzt die richtige Zeit, Edelmetalle zu kaufen?

Mit einem Wert von 1.737 Euro für eine Feinunze Gold (31,103 Gramm) erreichte der Goldpreis am 6. August 2020 ein neues Allzeithoch in Euro. Anfang des Jahres lag der Wert noch um 300 Euro niedriger, allerdings mit steigender Tendenz. Das entspricht einem Plus von etwa 30 Prozent. Der Beginn der Corona-Pandemie sorgte dann im März für einen Erdrutsch. Doch wie Phönix aus der Asche zog der Kurs nur nach kurzer Talfahrt wieder an – Gold machte seinem Namen als vielfach bewährtes Krisenmetall alle Ehre. Anleger kauften im großen Stil Goldmünzen und Goldbarren, sodass der Online- und stationäre Handel zeitweilig ausverkauft waren. Doch nun scheint der Höhenflug des Edelmetalls erst einmal beendet zu sein. Am 30. November beläuft sich der Schlusskurs auf 1.508 Euro. Ist dies nun das vorläufige Ende des Goldfiebers in Deutschland oder nur eine Atempause?

Eine ähnliche Berg- und Talfahrt verzeichnet der Silberkurs in den zurückliegenden 11 Monaten. Wie ein Schatten folgte der Wert des weißen Edelmetalls seinem großen Bruder Gold – allerdings wie gewohnt etwas zeitverzögert. Im Januar 2020 startete der Spotkurs für eine Feinunze Silber (31,103 Gramm) bei 15,30 Euro. Es folgte ebenfalls ein kurzer, aber heftiger Kursverfall durch Corona und die anschließende Wiederbelebung auf etwa Vorkrisen-Niveau. Den bisherigen Jahreshöchststand von 25,09 Euro erreichte Silber dann Ende August. Aktuell kostet die Silberunze knapp 20 Euro.

Weltgeschehen hat starke Auswirkungen auf die Kurse

Experten sehen die verschiedenen Konjunkturpakete, die finanziellen Stützen und die Neuverschuldung in Deutschland als Grund für die Zurückhaltung der Anleger. Das trifft ebenfalls auf andere Weltmärkte zu, da die Bekämpfung der Corona-Pandemie internationale Wirtschaftskrisen hervorgerufen hat. Außerdem verkaufen die Zentralbanken derzeit viel Gold. Allein die türkische Notenbank veräußerte Ende Oktober 45 Tonnen Gold (Siehe Beitrag). Zudem sorgten die US-Wahl und die Verzögerungstaktik des scheidenden Präsidenten Trump für zusätzliche Unsicherheit unter den Anlegern.

Als wäre das alles noch nicht genug, überschlagen sich derzeit die Pharmaunternehmen BioNTech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca mit Meldungen über höchstwirksame Impfstoffe gegen eine Covid 19-Erkrankung und deren kurzfristige Zulassung sowie Auslieferung. Zwar werden diese Impfstoff-News positiv bewertet, doch stellt sich schnell wieder Ernüchterung ein, denn es wird bestenfalls noch Monate dauern, bis die Bevölkerung durchgeimpft ist. Und wie gut oder anhaltend die Mittel tatsächlich wirken, muss sich erst noch herausstellen.

Ist Silber jetzt Gold wert?

Jedoch glaubten Anlageberater daran, dass der Einbruch durch die allgemeine Verunsicherung in erster Linie Gold betrifft und Silber als Profiteur aus dem Abwärtstrend hervorgeht. Schließlich besteht die weltweite Silbernachfrage zu etwa der Hälfte aus dem Industriebedarf. Durch die Pandemie ist die Nachfrage nach Industriemetall stark eingebrochen. Aufgrund der aktuellen Erholungsphase dürfte sie jedoch im kommenden Jahr wieder anziehen. Hinzu kommt, dass Gold durch den schwachen Dollar und die Anleihen zum Inflationsausgleich verliert – was eigentlich Silber in die Karten spielen sollte. Damit ist die Trendwende überfällig.

Deshalb raten Anlageberater ihren Kunden aktuell dazu, verstärkt Silber zu kaufen. Dabei stellt das sogenannte Gold-Silber-Ratio eine wichtige Entscheidungshilfe dar. Es verdeutlicht das Verhältnis zwischen den Preisen von einer Feinunze Gold zu einer Feinunze Silber. Der Wert lässt sich leicht ermitteln. Dazu wird der Preis für eine Goldunze durch den aktuellen Preis für eine Silberunze geteilt. Bei einem Goldpreis von derzeit 1.500 Euro und einem Silberpreis von 20 Euro ergibt sich ein Wert von 75. Für 1 Unze Gold bekommen Anleger also etwa 75 Unzen Silber. Dies bedeutet nichts anderes, als dass Silber im Verhältnis zu Gold derzeit so günstig ist wie schon lange nicht mehr.

Das Gold-Silber-Ratio im 10-Jahres-Überblick:



Silber-Investoren sollten jedoch berücksichtigen, dass auch der Silberpreis in Abhängigkeit zur Dollar-Entwicklung steht. Auch die wieder anziehende Nachfrage durch die Industrie wird den Silberkurs beeinflussen. Denn das Weißmetall ist für viele Produktionsprozesse unverzichtbar und wird selbst bei steigenden Preisen gekauft.

Wie eingangs erwähnt gilt Gold als Krisenmetall – also als Vermögenssicherung in eher unsicheren Zeiten. Und obwohl es noch offene Fragen gibt, gelten die in den Startlöchern befindlichen Impfstoffe als Verheißung für das lang ersehnte Ende der Pandemie. Sie stehen damit für die Wiedererlangung der Freiheit und für den dringend benötigten wirtschaftlichen Aufschwung.

Zudem zeichnet sich ein Einlenken von Donald Trump ab und damit ein halbwegs geordneter Übergang zum neu gewählten US-Präsidenten Joe Biden. Dies stärkt das Vertrauen in die USA als weltgrößte Volkswirtschaft und lässt auch deutsche Anleger zuversichtlicher in das kommende Jahr blicken. Dieser an sich positive Trend wirkt sich jedoch negativ auf die Goldnachfrage der Vermögenssicherer aus und setzt Gold und auch Silber weiter unter Druck.

Fazit: Goldanleger können jetzt von günstigen Preisen profitieren

Anleger, die jedoch unabhängig von Krisen ihr Kapital in Edelmetalle investieren möchten, profitieren von einem derzeit sehr günstigen Goldkurs und Silberkurs wie zuletzt im Juni. Während Gold und Silber in den letzten Monaten nur für teures Geld zu haben waren, bekommen Kapitalanleger nun mehr Edelmetalle für ihr Geld. Und für Analysten steht fest, die nächste Gold-Rallye ist allein eine Frage der Zeit – und des Auslösers.

Tresorräume bei der Münze Österreich